Florian Teichtmeister / DIE ZAUBERFLÖTE  / Staatsoper Berlin



Wolfgang Amadeus Mozarts mit Abstand berühmteste Oper ist zugleich auch seine rätselhafteste. Der Prinz Tamino verliebt sich anhand eines Bildes in Pamina. Doch diese befindet sich, wie ihre Mutter, die Königin der Nacht, zu berichten weiß, in der Macht von Sarastro. Im Auftrag der Königin macht sich Tamino samt seinem Begleiter Papageno auf, Pamina aus Sarastros Tempelbezirk zu befreien. Doch kaum dort angekommen, stellt sich die Frage, welche der handelnden Figuren gut ist und welche böse, neu. Klar scheint nur, dass Pamina Taminos Liebe erwidert, und am Ende sind die beiden nach schweren Prüfungen vereint.
Seit 25 Jahren begeistert August Everdings »Zauberflöten«-Inszenierung große wie kleine Besucher der Staatsoper. Doch nun ist es an der Zeit, Mozarts vielschichtiges Meisterwerk einer neuerlichen Befragung zu unterziehen, und so entführt der US-amerikanische Regisseur Yuval Sharon in nicht weniger fantasievolle, doch ästhetisch ganz andere Bilderwelten. Im Zentrum steht dabei die Idee einer Collage, wie sie schon Mozarts Musik selbst darstellt, indem sie beständig zwischen den Stilebenen des Singspiels und der Opera seria changiert. Diese Vielfalt nimmt Sharon zum Anlass, gemeinsam mit Bühnenbildnerin Mimi Lien und dem belgischen Modedesigner Walter Van Beirendonck einen kreativ-spielerischen und vor allem bunten Blick auf Mozarts Oper zu werfen.



MUSIKALISCHE LEITUNG Alondra de la Parra
INSZENIERUNG Yuval Sharon
BÜHNENBILD Mimi Lien
BÜHNENBILDMITARBEIT Marc Löhrer
KOSTÜME Walter Van Beirendonck
LICHT Reinhard Traub
VIDEODESIGN
Hannah Wasileski
SOUNDDESIGN Markus Böhm
EINSTUDIERUNG CHOR Anna Milukova
DRAMATURGIE Krystian Lada , Benjamin Wäntig
SARASTRO Kwangchul Youn
TAMINO Julian Prégardien
PAMINA Serena Sáenz Molinero
PAPAGENO FlorianTeichtmeister
PAPAGENA Sarah Aristidou
KÖNIGIN DER NACHT Tuuli Takala
SPRECHER Lauri Vasar
MONOSTATOS Florian Hoffmann
ERSTE DAME Adriane Queiroz
ZWEITE DAME Cristina Damian
DRITTE DAME Anja Schlosser
ERSTER GEHARNISCHTER Stephan Rügamer
ZWEITER GEHARNISCHTER Grigory Shkarupa
ERSTER PRIESTER Linard Vrielink
ZWEITER PRIESTER Lauri Vasar
DREI KNABEN Solisten des Tölzer Knabenchors

Kritiken
Emanuel Schikaneder war ein Niederbayer und folglich ein Multitalent. So triumphierte er 1777 als Shakespeares Hamlet in München, tanzte Ballette, schrieb Theaterstücke und Libretti, betätigte sich als Kathedralchorsänger und Impresario. Und er schrieb für Mozart "Die Zauberflöte", in der er den Vogel-, Mädchen- und Weibchenfänger Papageno singspielte. Das klang unter Garantie nicht so glatt untadelig, wie es die heutigen Baritonsänger hinkriegen. Sondern vermutlich eher so, wie wenn Wolfgang Ambros den Papageno singen würde. Schließlich kann jeder halbwegs musikalische Durchschnittsmann die Papageno-Songs nachsingen.

Vermutlich hat die Berliner Staatsoper Unter den Linden aus all diesen Gründen (historische Aufführungspraxis!) den Wiener Meisterschauspieler Florian Teichtmeister für den Papageno in ihrer Neuproduktion der "Zauberflöte" verpflichtet. Und der singt jetzt so unbelcantistisch wie eben ein Liedermacher, dem der Text, also vulgo die Botschaft, allemal ein bisschen wichtiger sein muss als die Musik. Wofür er einige Buhs einstecken musste. Doch Teichtmeister, dem Quereinsteiger und Querschläger, gelingt an diesem Abend die Rettung Papagenos und der "Zauberflöte". Weil Schikaneders oft belächelter Text bei ihm endlich mal professionell gesprochen und gesungen wird, wird der Papageno zur zentralen Rolle. Teichtmeister treibt diesem Text alle Schlacken des Biederen, Bürgerlichen und Banalen aus. Er macht klar, worum es hier (unter anderem, aber vor allem auch) geht: Wie die sexuelle Hörigkeit in ein modern aufgeklärtes Staatsgebilde eingebaut werden kann, ohne dass dieses durch die Leidenschaft zersetzt wird und ohne dass die Leidenschaft kastriert werden muss wie in religiös rigiden Systemen.

Weil Teichtmeister all die üblichen Papageno-Kindereien unterlässt, wird schmerzlich klar, dass hier alle, Frauen wie Männer, nach einer Möglichkeit suchen, Liebe und Sex in der Gesellschaft zu leben. Es ist dies für alle eine Frage auf Leben und Tod. Weshalb Papageno wie Pamina Selbstmordversuche unternehmen, als sie diese Vereinbarkeit in unerreichbare Ferne gerückt sehen. Teichtmeister legt als Nichtsänger und Textmeistersprecher endlich einmal diese so oft veralberte Schicht des Stücks frei.
Süddeutsche Zeitung
Als auffälligste Besetzung galt im Vorfeld der Schauspieler Florian Teichtmeister als Papageno. Natürlich irritiert, dass er – tonlos, angeheisert und wienernd – das Opernhafte der Rolle schuldig bleibt. Je länger, je mehr zahlt sich das aber aus. Wir wissen, dass diese Rolle bei der Uraufführung 1791 von Schikaneder selbst, einem Schauspieler, übernommen wurde.

Ich war erstaunt, wie gut sich die Schauspielerstimme mit den Sängern mischt (in den Duetten). Plötzlich merkt man, worin das Wiener Vorstadttheater hier besteht.
kulturradio